Ladies spinning… (German original version)

Delivered... IE-mAdmin | IEm News | Wed 3 Mar 2010 2:12 pm

This article is available in English here.

Author: ElJay Arem ( e-music [ a t ] imcradio.net )

ElJay Arem live on air

ElJay Arem live "on air"

(IE-m/HH -02032010) – In Indien verabschiedet man den Winter zur Vollmondzeit. Mit dem hinduistischen Holi-Fest naht der Frühling. In 2010 wurde das jährliche ‘Fest der Farben’ am 01. März gefeiert. Die perfekte Jahreszeit für Frisch-Verliebte mag Anreiz sein, sich mit den „1st Ladies“ der indisch-elektronischen Musik zu beschäftigen.

So der Titel der Märzsendung von Indian E-music: „Ladies spinning…“ – Um das unmissverständlich richtig zu stellen: der Titel ist im Sinne „spinning the turn tables“ zu verstehen.

Asian Underground…

Im chronologischen Verlauf – mit Bezug zum Anfang der indisch-elektronischen Musik in 1996-1997 – sei zunächst der Dame gebührend Tribut gezollt, ohne die man sich den Asian Underground kaum vorstellen könnte. In der Premieresendung, im Januar wurde Sweety Kapoor erwähnt, die als Musikpromoterin zusammen mit dem Tablaspieler Talvin Singh in London den Nachtclub Anokha betrieben hatte.

Das Ergebnis unter Mitwirken der „Queen of Asian Underground“ ist die erste Plattenaufnahme von Talvin Singh „Anokha – Soundz of the Asian Underground“ im Jahre 1997.

Ethno Techno…

Neben Sweety Kapoor ist eine weitere schillernde Figur Natasha Atlas. Diese Künstlerin mit marokkaonischer Herkunft und einem ausgeprägt eigenständigen Profil wurde 1964 in Belgien geboren. Selbst identifiziert sich Natasha mit dem Sufismus, einer mysthisch-spirituellen Form des Islam. Die Sufi-Tradition hat in Nordindien und Pakistan herausragende Sänger wie den Qawwali-Interpreten Nusrat Fateh Ali Khan hervorgebracht.

Natasha traf 1991 auf die britische Formation Transglobal Underground (TGU), ein Jahr nach ihrer Entstehung um Alex Kasiek (keyboards, guitar, flute, melodica, programming, vocals) und Hamid Mantu (percussion, drums, keyboards, programming). Natasha Atlas wurde bei TGU die Leadsängerin. Mit der Veröffentlichung von „dream of 100 Nations“ im Jahre 1993/94 hatte sie ihre Debutvorstellung.

Transglobal Underground fusioniert westliche, orientalische und afrikanische Elemente. Freunde von Genrebezeichnungen ordnen TGU dem Ethno-Techno zu. Ein Mitglied von TGU, der Dholspieler Johnny Kalsi, wurde in der Februar-Sendung von Indian E-music „Einfluss des Bhangra auf die indisch elektronische Musik“ vorgestellt.

Zu TGU stiess später die Sitarspielerin Sheema Mukherjee mit dem Perkussionisten Gurjit Sihra hinzu. Im Jahre 2001 veröffentlichte TGU das Album „Yes Boss Food Corner“. Sheema ist in der indisch-klassischen Musik ausgebildet. Sie begann ihr Studium unter der Anleitung des indischen Gesangsvirtuosen Amir Khan im zarten Alter von 5 Jahren. Die Ausbildung wurde durch ihren Onkel, den berühmten Sitarmeister Pandit Nikhil Banerjee der nordindischen Klassik vervollständigt. Nach dem unerwarteten Tod von Nikhil führte Sheema Mukherjee ihre Studien bei dem Sarodmaestro Ustad Ali Akbar Khan fort. Wer sich mit diesen Lichtgestalten der indischen Klassik beschäftigen möchte, im Archiv von India meets Classic finden Sie die zurückliegenden Sendungen aus 11/2007 und 07/2009 : www.imcradio.net/archives .

Trance Electronica

Nach der Sitarspielerin Sheema Mukherjee und Sängerin Natasha Atlas, Mitglieder von Transglobal Underground können wir uns noch nicht ganz dem arabischen Einfluss entziehen.

Die iranische Musikerin und Vokalistin Azam Aliafgerad, einfach als Azam Ali bekannt, wurde in Teheran geboren.  Im Alter von 4 Jahren emigrierte sie nach Indien im Bundesstaat Maharashtra auf. Als Teenager zog sie mit ihrer Mutter, nach der iranischen Revolution im Jahre 1979 in die USA.

Der Santoor, ein Hackbrett, ein Dulzimer persischer Herkunft hatte es Azam Ali zunächst angetan. Dieses Instrument finden wir auch in der nordindischen Klassik. Das Interesse für’s Singern kam erst später. Nach acht Jahren Unterricht durch Ustad Sadeghi Azam, der sie angesichts ihrer stimmlichen Qualitäten dazu ermutigte, wechselte Azam in das Gesangsfach.

1996 gründete Azam Ali mit dem Perkussionisten Greg Ellis die Formation Vas, die bis 2004 Bestand hatte. Indische, persische und westliche Musik waren wesentlicher Bestandteil des Sounds von VAS.

Bereits ein Jahr später, 2005 wurde die CD Niyaz veröffentlicht. Dieses gleichnamige Musiktrio besteht neben Azam Ali aus dem DJ und Producer Carmen Rizzo und dem iranischen Gitarristen, Flötisten und Komponisten Loga Ramin Torkian.

Niyaz, das bedeutet in etwa „Sehnsucht“ stellt eine musikalische Verbindung zwischen der iranischen und indischen Kultur her. Auch hier spielt der Sufismus und die pakistanische Sprache Urdu eine massgebliche Rolle. Auf der jüngsten Doppel-CD Nine Heavens (2008) interpretiert Azam Ali die Poesie von Amir Khosrau Delavi, einem persischen Dichter aus dem 13. Jahrhundert. Wie Azam Ali wuchs Khosrau selbst in Indien auf.

Niyaz verfolgt mit ihren elektro-akkustischen Kompositionen die künstlerische Mission, auch in der Clubszene, besonders für die Hörer der westlichen Musik, die menschliche Seele anzusprechen und ein höheres Bewusstsein zu schaffen. Azam Ali bezeichnet ihre Musik daher auch gerne als Trance Electronica.

Asian Fusion

Bevor wir uns der jüngeren Generation von Musikerinnen zuwenden, stelle ich die letze Grand Dame indischer Abstammung vor. Sheila Chandra wurde im April 1965 in London geboren. Mit den Gründungsmitgliedern Steve Coe am Piano und Martin Smith auf der Gitarre rief sie im Frühjahr 1981 die Formation Monsoon in’s Leben.

Monsoon war von der psychodelischen Ära der 60er Jahre stark beeinflusst und stellte eine Verschmelzung zwischen Synthy-Pop aus dem Westen und eine Art indischem Pop dar.

Sheila Chandra entdeckte in ihren musikalischen Steifzügen Gemeinsamkeiten zwischen der Struktur der indischen Ragas und der englischen Folk-Musik. Sheila verbindet mit ihrem Asian Fusion traditionell britische und irische Lieder mit Gesangstechniken aus anderen Genres der Weltmusik.

Nach diversen Alben in den 80erJahren und einer stimmlichen Experimentierphase veröffentlichte Sheila Chandra in den 90er Jahren drei Alben bei dem Real World Label von Peter Gabriel. Von 1994 bis 2007 war Sheila Chandra von der Live-Bühne aus gesundheitlichen Gründen verschwunden. Noch im Jahr 2002 nahm sie mit Howard Shore „Breath of Life“ , ein Soundtrack für „Lord of the Rings: The two Towers“ auf. 2009 kehrte Shilea Chandra mit einer Europatournee auf die Bühne zurück.

(Nord-)Indische Klassik…

Von dem minimalistischen Klang Sheila Chandra’s wenden wir der Generation der 80er Jahre zu. Hier begegnet uns ein sehr bekannter Name. Die Sitarspielerin Anoushka Shankar. Sie wurde im Juni 1981, in London geboren. Als Tochter des wohl berühmtesten Sitarmaestros der nordindischen Klassik (Hindustani) – Ravi Shankar - wuchs sie zwischen drei Kontinenten auf: in London, Kalifornien und Delhi. 1998, im Alter von 17 Jahren veröffentlichte Anoushka Shankar ihre erste Solo-LP.

Das Jahr 2005 darf als markanter Eckstein in der Entwicklung von Anoushka Shankar gesehen werden. Nachdem sie jahrelang die Ragakompositionen ihres Vates spielte, wagte es Anoushka mit der CD „Rise“, ihrem 4. Album, sehr eigenständige Wege zu beschreiten und ihre eigenen Kompositionen und Arrangements zu verwirklichen. In den darauffolgenden Jahren tourte Sie mit dem Anoushka Shankar Project.

2007 wirkte Anoushka mit dem indisch-amerikanischen Multi-Instrumentalisten Karsh Kale (Marathi: Kursh Kah-lay) für die CD „Breathing under Water“ zusammen.

Karsh Kale ist wie Talvin Singh oder Nitin Sawhney ein typischer Vertreter der elektronischen Club- und Techno-Musik und Drum & Base. Karsh Kale war an dem herausragenden Fusionprojekt Tabla Beat Science beteiligt, eine Formation um Zakir Hussain auf der Tabla. Auch Trilok Gurtu, ein Perkussionist aus Mumbai spielte mit Tabla Beat Science. Der Author durfte Trilok im Dezember 2008 im Hamburg-Studio als Gast für einen äusserst interessanten StudioTalk “The Purity of Music” begrüssen.

Karsh Kale spielte auch mit weiteren Vertretern der indisch-elektronischen Musik, wie Cheb-I-Sabbah und Midival Punditz.

Anoushka Shankar beteiligte sich selbst an Projekten der elektronischen Musik, wie mit dem DJ-Duo Thievery Corporation für den Track Mandala auf der CD Radio Retaliation aus dem Jahre 2008. Thievery Corporation, das sind Rob Garza und Eric Hilton, in Washington DC beheimatet. Thievery Corporation wurde 1995 gegründet. Radio Retaliation, ihr 5tes Studioalbum, wurde für den Grammy Award vorgeschlagen. Thievery Corporation positioniert sich mit seinen musikalischen Veröffentlichungen politisch kritisch, zu dem Irak-Krieg von George W. Bush gleichermassen wie zu dem Welternährungsprogramm des internationalen Währungsfonds.

Bangra…

Der gleichen Altersgeneration wie Anoushka Shankar gehört Veronica Metha an. Sie ist in der Hip-Hop und R’n’B-Szene Londons einfach nur als Veronika oder als „Miss V“ bekannt, wie in dem gleichnamigen Titel ihrer jüngsten CD-Projektes zum Ausdruck gebracht. In der Mache von Rishi Rich Productions, uns aus der Febriarsendung bekannt, soll “Miss V“ in 2010 veröffentlicht werden.

Veronika finden wir im Umfeld der indisch-elektronischen Musik, die eng mit der Bangla-Szene verbunden ist. Künstler wie Juggy D und Jay Sean, allesamt Musiker indischer Familienherkunft, die sich aus dem Rishi Rich Project heraus entwickeln und international etablieren konnten. Lesen Sie dazu den Artikel des Authors „Die Bedeutung des Banghra für die indisch-elektronische Musik“.

Veronika veröffentlichte ihr Debutalbum „Theen“ im Jahre 2005. Sie versuchte sich auch erfolgreich als Komponistin für Filmmusik. Einen Soundtrack steuerte sie zu dem Bollywood-Movie „Hum Tum“ (Hindi: Du und ich“) bei. „Du und ich“ wurde produziert von Aditya Chopra und Yash Chopra mit den Megastars aus Mumbai: Rani Mukerji und Saif Ali Khan.

Shaa’IR + Funk…

Wollen wir uns nach Veronika, Vertreterin einer jungen, experimentierfreudigen Desi-Generation noch einen weiteren Schritt in’s Extreme gehen. Reisen wir gedanklich in die Filmmetropole Indiens, nach Mumbai, dem ehemaligen Bombay.

2005 fanden sich die Sängerin Monica Dogra aus New York, USA und der Gittarist Randolph Correia aus Mumbai zusammen. Als Shaaira & Funk sind beide ziemlich schräg unterwegs… auf der Grundlage einer fundierten künstlerischen Ausbildung.

Wie das Nirali-Magazin mit Zielgruppe Amerikaner südasiatischer Herkunft titulierte: „Shaair and Func, das sind eine Melange von Poesie, Funk, R&B, Elektronischer Musik und der gesunden Seite des Jazz. Shaair and Funk garantieren das Unerwartete.“

Einige der Auftritte und besonders die Gesangsperformances von Shaaira erinnern an die isländische Sängerin Björn.

Eins dürfte sichergestellt sein: von der Stimmgewaltigkeit Monica Dogra’s aka Shaaira, der Poetin, wie das Wort in der Urdusprache bedeutet… und ihrer Ausgeflipptheit auf der Bühne und dem Funker Randolph Correia können wir noch einiges erwarten. Die internationale Festivalszene ist bereits auf die Beiden aufmerksam geworden.

Shaaira & Funk veröffentlichten bereits nach zwei Jahren Zusammenarbeit im Jahre 2007 ihr Debutalbum: „New Day – The Love Album“. Ein Jahr später folgte „Light Tribe“.

Fazit

Schaut man sich die weltweite Musikszene zur indisch elektronischen Musik an, fällt auf, dass man die Anzahl der musikschaffenden Künstlerinnen seit Anfang bis Mitte der 90er Jahre gerade an zwei Händen abzählen kann. In Sachen Frauenquote hat dieses Musikgenre erhebliches Entwicklungspotential. Der Einfluss auf die Entwicklung in der indisch elektronischen Musik darf dennoch nicht geschmälert werden, denn der arabisch-persische Einfluss schlägt sich in der Klangcharaktere durch die einzelnen Künstlerbiographien besonders nieder.
_________________

Hinweis: Die nächste Sendung Indian E-music… gibt’s dann wieder am 1. Dienstag, den 6. April – um 21:00 Uhr auf Tide 96.0 (Kabel/Antenne) + Internet Stream.

… und wer sich für die indisch klassische Musik interessiert, jeden 3. Dienstag im Monat, gleiche Zeit. Also nächster Sendetermin für IMC – India meets Classic am 16. März – um 21:00 Uhr auf Tide96.0 oder via Internet-Stream.

No Comments »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Leave a comment

*

TunePlus Wordpress Theme